Jubiläumsausgabe zur 250. Wanderung der Wandervögel
Historisches
Es war so 2008/2009, eine Zeit, in der man noch dachte, man müsse große Dinge tun, um ein besserer Mensch zu werden. Zum Beispiel den Jakobsweg zu gehen. Oder zumindest so zu tun, als würde man dafür trainieren. Eck Günter, Hackl Wolfgang, Hofmann Heinz, Kaftan Walter, Reinwald Wolfgang und Taverner Willi waren die Träger dieser Idee. Ein loser Zusammenschluss, eigentlich mehr eine Ansammlung. Man fuhr mit dem Auto irgendwohin, um was zu tun, und wenn das Wetter beleidigt war, ging man halt zum Bowling. Auch Bewegung. Heinz Hofmann hatte Ideen, meistens gute, und Wolfgang Hackl fuhr geplante Wanderungen vorsichtshalber mit dem Fahrrad ab, weil Vertrauen überbewertet wird.
Langsam wurde das Ganze verbessert, auf Männerart: mit E-Mails. Wolfgang Reinwald brachte mit seinen Aussendungen sowas wie Struktur in das Chaos, was sofort als Organisation empfunden wurde. Fast schon ein Verein ist es, seit Alfred Haslinger die Touren plant und Gerhard Haumer mit seinem Talent fürs Ordnen den Laden zusammenhält.
Früher eine reine Männerwirtschaft, später dann auch Frauen, was der Gruppe als nachhaltige Bereicherung spürbar gut tat. Irgendwann viel auch der Name "Wandervögel", was poetischer klingt, als es sich meistens anfühlt. Bis Corona wanderten wir brav einmal im Monat, danach wollten wir all das nachholen, was wir durch den Lockdown verpasst hatten, und jetzt gehen wir halt alle zwei Wochen. Es gab auch Drama: Hubschrauberbergung in der Ysperklamm, Beinbruch am Bisamberg, Fußverletzung im Pesenbachtal. Alles dabei. Aber wie immer: viel Aufregung, keine bleibenden Schäden, nur G'schichtln.
Wir werden immer mehr, so wie bei einer rasch vorbereiteten Party: Freunde bringen Freund*innen mit, ehemalige Kollegen ließen sich mit dem Versprechen von frischer Luft und minimaler Sinnhaftigkeit ködern. Am beliebtesten sind die Wanderungen im Flachen - dort, wo niemand heldenhaft leiden muss. Da stehen dann plötzlich über zwanzig Leute herum und tun so, als sei das alles ganz freiwillig und wäre nciht bloß ein akzeptierter Haufen von Mit-Läufern.
Wie man auf den vielen Bildern sieht: Wir gehen bei jedem Wetter. Regen, Wind, Schnee, Eis, Gatsch, egal. Irgendwer sagt dann: "Na super Idee war das". Und fünf Minuten später lachen wieder alle, weil irgendwer fast ausrutscht oder sich über die eigenen Stolperer aufregt.
Spaß haben wir trotzdem. Oder gerade deswegen. Aber natürlich gehen wir am liebsten bei Sonnenschein. Weil man da wenigstens sieht, warum man sich das alles antut.
Und dieser Satz "Einmal bergauf geht's noch" hat sich mittlerweile vom Raunzen zum geflügelten Wort entwickelt. Am Anfang hat ihn noch wer halb beleidigt gesagt, wenn wieder irgendwo ein depperter Anstieg gekommen ist. Inzwischen sagen wir ihn automatisch. Wie ein Mantra, das eh niemand glaubt, aber alle wiederholen.
Eine eigene Geschichte ist auch die mit den Wanderstöcken. Entweder man hat sie genau dann nicht mit, wenn man sie brauchen würde, oder man schleppt sie die ganze Zeit mit und braucht sie kein einziges Mal – oder man hat sie, wieder einmal, irgendwo liegen oder stehen gelassen.
Wir nehmen all das mit Humor, und in der Gemeinschaft ist es eigentlich gar nicht schwer, fröhlich zu sein.
Leider gibt es noch keine detaillierte Statistik oder erläuternden Berichte über die Labestationen, die wir schon aufgesucht haben. Also keine Excel-Tabelle mit Hüttenbier pro Höhenmeter, keine PowerPoint mit „Key Takeaways vom letzten Heurigenbesuch“. Dabei wäre das eigentlich wichtig für die Forschung.
Denn egal ob Berghütte, Gasthaus oder Heuriger – die Einkehr ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Wanderung. Man geht ja nicht stundenlang bergauf, nur um oben wieder runterzugehen wie ein Trottel. Der Sinn der Sache ist, sich irgendwo hinzusetzen, wo es Suppe gibt und jemand sagt: „Setzt euch, i bring gleich was.“
Das dient nicht nur dem Körper, der nach drei Kurven schon so tut, als wäre er im Hochleistungssport. Die Gespräche beim Rasten fördern auch den Zusammenhalt. Plötzlich redet man über Dinge, für die man sonst keine Gelegenheit haben würde, zum Beispiel über die Röntgenbilder vom Knie, Blasenpflaster oder ob man noch einen Spritzer verträgt, obwohl man eigentlich noch runtergehen muss.
Und irgendwie geht es einem danach geistig auch besser. Vielleicht wegen der frischen Luft, vielleicht wegen der Suppe, vielleicht wegen dem Spritzer. Die Wissenschaft wird das hoffentlich irgendwann klären. Bis dahin müssen wir halt weiter wandern und Daten sammeln. Sehr mühsam, aber irgendwer muss es ja machen.